Weihnachtsfeier 2019

Unsere heurige Weihnachtsfeier haben wir gemeinsam mit dem Steigerwaldklub Gerolzhofen begangen. Der BR-Journalist und die Akkordeonistin Maria Reiter brachten uns in die richtige Stimmung für die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit.

Stimmungsvoll, heimelig und lehrreich – das war sie, die gemeinsame Weihnachtsfeier von Historischem Verein und Steigerwaldklub. 180 Personen waren ins Pfarrer-Hersam-Haus gekommen, um dem bekannten Autor und BR-Journalisten Gerald Huber und seiner musikalischen Begleitung, der renommierten Akkordeonistin Maria Reiter, auf eine musikalische Zeitreise zu begleiten. Wohin es ging? Nichts weniger als zu den Ursprüngen unseres heutigen Weihnachtsfestes.

Heimelig wirkte das Bühnenbild mit verschiedenen Lampen, Christbaum und gediegenem Mobiliar, in das die beiden Akteure so gut passten. Die Besucher erwartete eine vielschichtige Lesung aus Hubers Buch „12 00 Jahre Weihnachten“. Gerald Huber verstand es, soziokulturelle Geschichte mit Sprachgeschichte und Sprachentwicklung zu verbinden. So erklärte er gleich zu Beginn seines Vortrags, dass das Wort Feiertag seinen semantischen Ursprung beim „Feuer“ hat, ebenso übrigens wie der Feierabend. Feuer, Licht, Helligkeit seien etwas, das tief mit dem Sein des Menschen verwurzelt ist.

Von der Jungsteinzeit über das alte Ägypten bis hin zu Rom: Alle feierten einen Tag

So feierte man schon in der Jungsteinzeit ein „Weihnachtsfest“, die Wintersonnenwende. Wenn die Sonne den Wintertod stirbt, erwacht sie gleichzeitig zum neuen Leben. Überall könne man dieses Erheben des Lichts nachvollziehen. Schon in der Bibel steht zu Beginn das Licht. So tradierte sich von Generation zu Generation, von Kultur zu Kultur der Kult ums Licht. Legenden wurden geschrieben, Geschichten gesponnen, das Licht personifiziert bis hin zu Jesus, der „das Licht der Welt“ ist. Bräuche und Lieder manifestierten sich – sei es im alten Ägypten für den Sonnengott Aton oder Horus, den Sohn von Isis und Osiris, der das Licht brachte.

Auch im alten Rom feierte man den 24. Dezember, den Tag der Wintersonnenwende, als die Saturnalien. Eine witzige Geschichte gab Gerald Huber zum Besten. Schon während der Zeiten der Saturnalien, oder sehr viel später, im 15. Jahrhundert, stets beschwerten sich Priester und Geweihte über die Lautheit dieser Feste und den unnötigen Konsum. Also ebenfalls etwas, was uns mit unseren Altvorderen verbindet. Schönes Detail: die Römer kauften ihre Saturnaliengeschenke wie Öllampen, Tonspielzeug und Wachskerzen auf einem speziellen Markt, der alljährlich in er Nähe des domitianischen Circus stattfand. Heute ist dieser Markt in besagten Circus gezogen und ist mittlerweile ein Weihnachtsmarkt, aber es gibt ihn immer noch, seit über 2000 Jahren.

Das Schenken gehört seit Menschen Gedenken einfach dazu

Am Sonntag vor Weihnachten 1616 habe sich der Pfarrer der Nürnberger Sebalduskirche gar beklagt, er habe die Vesperpredigt ausfallen lassen müssen, „weil wegen des Einkaufens zum Kindleinbeschern keine Leut vorhanden gewest“. Doch das Schenken, es gehöre seit Menschengedenken einfach dazu, sagt Huber. So war schon bei den Götteropfern: „Ich gebe, damit du gibst“.

Natürlich durften beim Vortrag Musik und Gesang nicht fehlen. Feinfühlig begleitete Maria Reiter die Geschichte über die Ursprünge eines Festes auf dem Akkordeon. Es mischten sich bayerische Klänge mit denen eines Tangos, einfache, klare Lieder mit komplexen Melodien. Der Bilderbogen, vorgetragen mit Gerald Hubers warmer Stimme, spannte sich von der Jungsteinzeit über deftige mittelalterliche Kirchenfeste und Mettenaufführungen bis in die Neuzeit, in der das Feiern des Lichts durch die allgegenwärtige Elektrizität fast obsolet wird.

Vor 1000 Jahren schmückte ein Paradiesbaum die Kirchen

Jedoch nur fast. Die Sehnsucht nach Licht steckt tief im Menschen. Und auch das Grün ist fest mit dem Weihnachtsfest verbunden. Ein „Paradiesbaum“ schmückte vor 1000 Jahren die Kirchen und Christmetten, Symbol für den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis. Hier schnitten sich die Gläubigen Wedel und Zweige ab und schmückten ihre Stuben damit. Gerne wurde es als „heidnisches Brauchtum“ verurteilt, doch die Tanne gehörte einfach „fest zum Fest“ und ist bis heute nicht mehr wegzudenken.

Solche Anekdoten, Geschichten, Transkriptionen und Auszüge brachte Huber aus seinem Buch „12 000 Jahre Weihnachten“ zu Gehör und fesselte damit seine vielen Zuhörer. Auch die Gesangseinlagen gemeinsam mit Maria Reiter gehörten zu dem, was den Abend so gemütlich und besonders machte. Stimmungsvoll wurden die Gäste in der Pause mit Punsch, Glühwein, Stollen und Lebkuchen versorgt. Uns so stimmte ein begeistertes Publikum zum gemeinsamen Schlusslied „Stille, stille, stille“ ein und zollte den beiden Akteuren verdient reichlich Beifall.

Gerald Huber und Maria Reiter bei der Lesung aus „12000 Jahre Weihnachten“
Die Lesung war wirklich hochkarätig und erhielt viel Beifall
Von links nach recht: Maria Reiter, Anne Bauerfeld (1. Vor. HV), Martin Rügamer (1. Vors. Steigerwaldklub), Gerald Huber

Dieser Artikel ist auch so in der Main-Post erschienen: https://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Gerolzhofen-Warum-wir-Weihnachten-so-und-nicht-anders-feiern;art769,10364641

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